Das übersetzen doch jetzt Roboter – oder?

Natürlich nicht! So lautet das schon einmal vorweggenommene Fazit eines Gastvortrags, den die Studierenden von Wirtschaft und Sprachen vergangenen Donnerstag besuchten. Aus Zürich war Bettina Krause angereist, die 2008 das Studium zur Diplom-Übersetzerin an der Hochschule Zittau/Görlitz abschloss und mittlerweile auf über zehn Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. Sie sprach zum Thema „Das Berufsbild des Dolmetschers und Übersetzers im Zeitalter der Digitalisierung“ – eine Problematik, in der wir als angehende ÜbersetzerInnen mit der parallel voranschreitenden Entwicklung künstlicher Intelligenz voll drinstecken.

Nachdem die gebürtige Oberlausitzerin mit einer Vorstellung ihrer selbst und ihres Arbeitgebers, dem Übersetzungs- und Lokalisierungsdienstleister Lionbridge, in die Veranstaltung eingeführt hatte, ging es um die Prozesse und zahlreichen Schnittstellen in größeren Übersetzungsunternehmen. Interessant war dies auch im Vergleich zu den Vorgängen in einem kleineren Unternehmen in Dresden, bei dem Frau Krause vor ihrer jetzigen Tätigkeit angestellt war und welches sie mit aufgebaut hatte. Außerdem wurden die neuen Trends in der Branche angesprochen, so nimmt zum Beispiel das E-Learning eine immer größere Rolle in der Wirtschaft ein. Dabei geht es darum, die unternehmenseigene Terminologie für alle Mitarbeiter einfach und interaktiv zugänglich zu machen und somit die Kommunikation effizienter zu gestalten. Ob nun bei Übersetzungsaufträgen oder Terminologiedatenbanken – erstellte Inhalte werden heutzutage kaum noch per Mail versendet, sondern in einer Cloud gespeichert, auf die Kunden und Mitarbeiter Zugriff haben. Die Datensicherheit ist dabei eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft, denn diese stellt oftmals ein Manko in der digitalen Berufswelt dar. Einen Einblick in die IT-Welt können die Studierenden unseres Studienganges im Modul Wirtschaftsinformatik erhalten.

In der anschließenden Diskussion kam natürlich auch die Frage um die Zukunftsfähigkeit des Berufs auf, eben im Hinblick auf die voranschreitenden technischen Möglichkeiten. Frau Krause erläuterte daraufhin, dass maschinelle Übersetzerprogramme zwei große Nachteile haben. Einerseits benötigen sie für eine korrekte Arbeit so viele Ressourcen, wie sie das Internet im jetzigen Umfang noch lange nicht bereitstellen kann. Dies betrifft vor allem kleinere Sprachen wie zum Beispiel Tschechisch. Und andererseits erkennen die Maschinen das Zielpublikum nicht und können die Übersetzung nicht an den jeweiligen Kontext anpassen. Somit wird der Mensch als Übersetzer, zumindest solange die Unternehmen noch Wert auf gute Qualität legen, noch lange eine gefragte Person sein.

An Frau Krause sei ein großer Dank für den ehrlichen und motivierenden Vortrag gerichtet.

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Autor: Max Melzer

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